28. Dezember 2025

Auf eine bessere Zukunft!

Michael vor einer Apokalyptischen Version der Welt

Du sitzt da, liest das hier und ich erzähle dir von einem Jahr, das sich angefühlt hat wie ein Update, das niemand bestellt hat, aber trotzdem installiert wurde. Ich habe morgens fast täglich die Nachrichten geöffnet und mich gefragt: „Ist das jetzt Satire oder doch wieder bittere Realität?“ Spoiler: Es war Realität, nur schlecht geschrieben.

2025 – Das Jahr der großen Worte und kleinen Lösungen. Zumindest in der Politik. Regierungen auf der ganzen Welt erklärten Probleme für „komplex“, was ungefähr so hilfreich war wie ein Regenschirm aus Papier. Ich habe zugesehen, wie alle mit den Augen gerollt haben, während Politiker versprachen, alles werde bald besser – nach der nächsten Wahl, dem nächsten Gipfel, der nächsten Runde aus Spitzen.

Ich habe das Gefühl, obwohl die Welt durch Internet und Social Media kleiner und aktueller denn je wirkt, rückt sie doch kein Stück näher. Man schaut nur auf immer mehr wunde Stellen mit Resignation und Ungläubigkeit.

Was uns zermürbt, macht unsere Kinder auf Dauer perspektivlos. Immer mehr Energie müssen wir als Eltern in das Abschirmen unserer Kinder vor der ganzen negativen Scheiße da draussen investieren. Damit wenigstens sie durchschlafen können und nicht noch mehr Stress aufbauen als sie es jetzt schon tun.

Während um uns herum die Welt stückweise dem Untergang entgegenschlittert, die Jungen sich von der KI bereitwillig Denken und Handeln abnehmen lassen, die Alten kopfschüttelnd Rechts wählen und sich nach noch älteren Werten sehnen, bleiben wir aus der goldenen Mitte nach einer Lösung suchend auf der Strecke. So kommt es mir jedenfalls immer öfter vor.

Was ich höre ist: Die Jugend kannste voll vergessen. Neue Lehrjahre sind eher Leerjahre. Keiner kann mehr was und will noch was tun. Die Ausländer nehmen uns schon lang nicht mehr Frauen und Arbeit weg, weil sie ja selbst nicht arbeiten. Stattdessen halten sie Täschchen und machen schattenboxend homophobe Witze. Alle. Ohne Ausnahme.

Parteien, weit rechter als Rechts, kommen in immer mehr Ländern der Welt zu mehr Ansehen und Macht als Gut ist. Despoten auf dem ganzen Erdball schalten und walten wie es ihnen beliebt und ALLE schauen nur zu. Gletscher schmelzen, Inseln versinken, die neuen Pandemien stehen in den Startlöchern, Krisengebiete wohin man schaut, die Schere von Reich und Arm ist klaffend offen. Und ich kann das, wenn ich will in kristallklarem VR miterleben. So fühlt es sich an, lächelnd auf den Abgrund zuzurasen.

Und doch macht mir vieles Hoffnung. Unser großer Sohn hat eine Lehre begonnen und nimmt dafür viele Einschränkungen und Veränderungen in Kauf. Aber er schraubt und sitzt nicht in einem Büro – das war sein Wunsch und er ist glücklich damit.

Der Kleine zieht sein Ding durch, spielt Fussball wie ein Meister und ist Hansdampf in allen Gassen. Er hat das Glück, auf der Sonnenseite der Welt aufzuwachsen. Sein Akku wird gefühlt nie so leer, wie die Teller seiner Altersgenossen anderswo täglich sind.

Doch trotz seiner Fröhlichkeit rutscht ihm ab und zu so ein altkluger, depremierender Satz raus wie: „Das hat doch eh keinen Sinn, wenn erst bei uns der Krieg ist“ – Und ich erkenne seine Sorgen dahinter. Seine Furcht, dass es so wird wie in den Geschichtsbüchern seiner Mutter. Das die Welt auch bei uns bald wieder schwarz-weiß wird und die Farbe verliert. Vielleicht schläft er deswegen so unruhig und kommt seit Monaten häufiger Nachts wieder zu uns ins Bett. Weil er Angst vor der Zukunft hat.

Michael Necke mit grimmigem und mit nett lächelndem Gesicht

Er ist eben ein Necke durch und durch. Zu verkopft, zu viel Denken, zu viel Gedanken machen. Das bekommen gerade die Menschen ganz deutlich zu spüren, die mir täglich am nächsten sind. Familie und Arbeitskollegen. Die Zündschnur ist so kurz geworden. Ich müsste mich mehrmals täglich entschuldigen für meine Entgleisungen. Oder auch nicht. Weiß nicht.

Am Ende werde ich zu dem alten, weißen Mann, der knirschend und meckernd vor sich hin blubbert. Der seine Umwelt und seine Umwelt ihn nicht mehr verstehen kann.

Gut das es Freunde und Familie gibt, die das alles von mir kaum anders kennen und mich auffangen. Das Glück habe ich nämlich. Und das ist gut so. Danke, falls ihr das lest.

Am Ende von 2025 schaue ich dich an und denke: Wir sind noch da. Müde, ironisch, genervt – aber auch erstaunlich anpassungsfähig. Und ganz ehrlich? Das allein fühlt sich schon wie ein kleines Wunder an.

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Michael Necke mit grimmigem und mit nett lächelndem Gesicht

Hi, ich bin Michael

46 Jahre, Skeptiker, Querulant, Misanthrop, Lieblingsmensch, Perfektionist, Schlamperich, Harmonie-Sucher, bester Freund, schlimmster Feind, Vater, Sohn, Ehemasseur.

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