Generation Heulsuse. Unvollendet.

Ich bin ein Fülltext. Entstanden aus Wut und vielen Fragen friste ich mein Dasein nun schon seit fast 6 Monaten in der Datenbank dieser Webseite. Unentschlossen, was ich werden möchte. Nun bin ich hier und hoffe, wenigstens soweit zu gefallen, wie ich gewachsen bin. Wenn auch unvollendet…

Also los… April 2015

Am liebsten wäre ich Generationslos. Im Grunde ist es ja fast schon egal, zu welcher der letzten vier oder fünf Generationsableger man gehört. Stolz kann man eigentlich auf keine sein. Dumm, faul, egoistisch, esotherisch oder leckmichamarschig – alles potenzielle Nullnummern. Warum schreibe ich dann überhaupt diesen Artikel? Ja warum zum Teufel?

Auch in meinem Leben gibt es ab und an Momente, in denen ich Selbiges hinterfrage. Ausschlaggebend meist komatös geendeter Alkoholmissbrauch mit anschließender Reue und Demut dem eigenen Körper gegenüber und eisern geschworenem Lebenszustandsverbesserungswunsch. Geiles Wort. oder? Musste es selber dreimal nachlesen… Das Selbstmitleid während eines solchen Katers bringt in mir immer wieder den Wunsch nach Selbstverbesserung zum Vorschein. Als wäre das ein Grund über das eigene Leben nachzudenken.

Oder aber (wie dieses Mal wieder) das Lesen eines Artikels über die Junge Generation um die 30. Ich gebe zu, ich gehöre nicht mehr ganz dazu. Bin aber auch nicht so weit davon entfernt, um nicht hier und da einen Kommentar dazu abzusondern.

Welche Generation bin ich?

Mit dem Geburtsjahr 1979 zähle ich zur Generation Y, bin aber mit Kindern des Jahres 1978 aufgewachsen. Somit also ein Mischling aus Generation X und Y. Normalerweise halte ich wenig bis gar nichts von solchen Bezeichnern und Klassifizierungen. Doch seltsamerweise sind wir wirklich eine komische Mischung zweier Persönlichkeitsrichtungen. Generation X, geboren zwischen 1965 und 1978 war ambitioniert, individualistisch und ehrgeizig (Brust raus! Nase hoch!). Die darauf folgende Generation Y dagegen von 1979 bis 1999 mehr ICHbezogen, technologieaffin und hatte sehr viel mehr Möglichkeiten. Jede Generation hatte ihre Stärken und Schwächen und konnte Ihre besonderen Fähigkeiten für sich nutzen. Aber war und ist das wirklich so?

Die “Gute” Hälfte einer Generation?

Ich lese solche Artikel, um mich irgendwie wiederzuerkennen. Um vielleicht sagen zu können: ja, das sehe ich GEEEEENAU so. Doch werden diese Artikel leider immer von jungen Redakteuren oder freien Bloggern verfasst, mit denen ich nun gerade NICHT den Generationsnamen oder auch sonst was teilen will.

Dann kommt mir erstmal der Gedanke, ob ich in den letzten Jahren egoistisch und überheblich geworden bin?! Oder habe ich ganz einfach recht, wenn ich sage: heult nicht alle so rum!

Ich lese zum Beispiel ganz gerne die NEON. Die Zeit. Manchmal die Welt. Fast Klatschblätter. Die Onlineausgaben ganz sicher. Ich lese immer wieder Geschichten von Mitte-End-Zwanzigern. Von Anfang-Mitte-Dreißigern. Von erfolgreichen jungen Menschen, die etwas aus Ihrem Leben machten, machen oder noch machen wollen. Über gescheiterte Lebensträume und leuchtende Existenzen. Über Mutige, die sich in armen Gebieten der Erde selbstlos aufopfern und die Welt verbessern – im kleinen und im großen Stil.

Und ab und an plumpst dann auch eine Geschichte über die Generation XYZ dazwischen. Über junge Hippster. Über das Pendeln zwischen WG und Party. Dem Nichtentscheiden können oder wollen. Den Zweifeln am eigenen Lebensentwurf. Es sind Artikel über Heuler und Heuchler.

Mit Ende Zwanzig noch in einer WG zu wohnen. Ok.
Noch nie richtig Geld verdient zu haben. Wie geht das?
Sich noch nicht so wirklich richtig für einen Beruf entscheiden zu können. Fragwürdig.

Nicht zu wissen wann Party- und Reiseabenteuer gegen Familie, Auto, Eigenheim und Kind zu tauschen sind. Das alles gehört heute zur Normalität. Das ist Hip. Dreißig ist das neue Zwanzig. Zwanzig ist das frühere geistige 10. Junge Menschen kämpfen sich lieber erstmal durch 10 verschissen schlecht bezahlte Praktika, ehe sie merken, das sie das nicht wirklich weiter bringt. Das es für Kinder und feste Strukturen irgendwann zu spät ist, merken sie zu spät.

Und genau diese junge Fraktion ist es auch, der dieser Zustand Angst macht und der sie darüber in allen möglichen Publikationen darüber schreiben lässt. In unterdrücktem Selbstzweifel sinnieren sie, ob es die Eltern besser hatten, weil sie etwas besser gemacht haben?! War es schlauer, das unsere Eltern ganz konservativ einem geregelten und bevormundeten Lebensablauf gefolgt sind: Schule, Lehre, Heirat, Kind, Haus und arbeiten (im gleichen Unternehmen) bis irgendwann die Rente kommt?

Manch einer wird jetzt schon aufstöhnen: “Aber der Weg über Gymnasium und Uni ist nun mal ein längerer!” Stimmt. Aber mir kommt es immer öfter so vor, das es nicht mehr eine Frage der Zukunftsvorstellung ist, ob man studiert, sondern nur noch eine bequeme Ausrede für fehlende Perspektive. Oder? Wieviele Eltern kennst Du, die Ihr Kind lieber auf den Haupt- oder Realschulweg schicken, weil das Kind gerne Automechaniker werden will. Oh, da hatte ich vergessen, Handwerksberufe sind ja nicht mehr in… Sorry, mein Fehler.

Ist also das teure Studium nach dem dritten Fachwechsel vorerst abgeschlossen, wird also ein Praktikum nach dem anderen angenommen. Die Suche nach dem perfekten Job beginnt. Reinarbeiten und Hocharbeiten wird allerdings dabei kaum noch mit eingerechnet. Wer mit dem Abschluss kommt, möchte doch bitte gleich das geräumige Loftbüro inklusive Entscheiderposition und Afterwork-Party-Garantie in zentraler Hauptstadtlage vorfinden. Gleichzeitig muss aber auch genug Freizeit für Fitness, Urlaub und Statussymbolpflege übrig bleiben und im besten Falle noch ein Wochenende mit kleinem gepachteten Schrebergärtchen in the City. Wie lächerlich klein wirkt doch dagegen unser Normaloleben mit seinen ganzen eingeschränkten Möglichkeiten?

Muss ich neidisch sein?

Gegenfrage: Was fehlt unserer Generation? Zuallererst: Demut. Was nutzt das Streben nach dem Höchsten, Besten, dem Schillerndsten und Prestigeträchtigsten? Hat diese Generation eigentlich gelernt, mal zu reflektieren? Die eigenen Grenzen zu finden? Erstmal über den meist flachen Tellerrand zu schauen?
Klar, unsere Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. War es für unsere Eltern noch undenkbar, nach dem Abschluss ein Jahr im Ausland zu leben und zu arbeiten, ist es für uns nur eine Entscheidungsfrage. Ja oder nein. Doch Nutzen wir diese Erfahrung wirklich, um uns als Individuum weiter zu entwickeln oder nur zum Aufpolieren des eigenen Lebenslaufes?

Ich frage mich gerade, ob es eigentlich neidisch klingt, was ich hier schreibe? Denkt man beim Lesen: “Du ärgerst Dich doch nur, weil Du nicht mehr aus Deinem Leben gemacht hast!” Aber ich kann Euch versichern: Nein, mach ich nicht. Ich möchte so nicht leben. Ich möchte mich nicht abhängig machen von Erfolg, Karriere oder schneller, höher, weiter.
Ich weiß, das es mir gut geht. Viel besser als vielen anderen Menschen. Manchmal macht mich das demütig, manchmal geht mir das am Arsch vorbei. Mir muss es nicht peinlich sein, mir meine Wünsche erfüllen zu können. Ich arbeite auch hart dafür. Ich will, während Runtastic meine Schritte mitschreibt, Nachrichten posten und mir nebenbei bei Amazon ein Musikalbum runterladen. Das ist westlicher Luxus. Und ich nutze Ihn solang ich ihn haben kann.

Offiziel bin ich mit 36 per Definition ein Thirty-something. Ich habe mich “noch nicht entschieden und denke ich habe noch genug Zeit alles zu werden und zu machen, was ich mir erträume.” Erschreckenderweise ist es wirklich so, das ich nicht das Gefühl habe, abgeschlossen zu haben. Hier ist noch nicht Schluss.

… September 2015

Jetzt schlage ich also den Bogen an den Anfang dieses Artikels. Vielleicht kennst Du das Gefühl, einen Text begonnen zu haben und einfach nicht mehr die Wut, Freude oder einfach Motivation zu spüren ihn richtig zu beenden. Genau da bin ich gerade. Ich kann mich nicht motivieren den Text zu beenden… Im April angefangen zu schreiben, kriecht dieser Text von einer Ecke zur anderen und will sich einfach nicht entscheiden, was er werden will. Dann entlasse ich ihn jetzt einfach in die Freiheit. Machs gut und endlich Platz für neue Ideen. Oder Tipps für eine neue Generation 🙂

man liest sich ...
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