Als Fan der Bücher habe ich mich nach dem, von vielen Kritiken zerrissenen, „Schneemann“ von 2017 gesehnt. Naja, gesehnt ist übertrieben. Ich hatte keine Ahnung von der Serie bis ich die erste Ankündigung in der Cinema lesen konnte. Diese war schon gut und jetzt, nach der letzten Folge, kann ich sagen: Es hat sich gelohnt.
„Jo Nesbø’s Harry Hole“ von und auf NETFLIX wurde von Jo Nesbø persönlich als Drehbuchautor unterstützt. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Die düsteren Harry Hole Bücher sind an sich schon feinstes Nordic-Noir-Material. Was die Macher hier aber auf die Beine gestellt haben, muss sich hinter der literarischen Fassung nicht verstecken.
Egal ob Darsteller und Darstellerinnen, die Kamera, das Setting, die Musik – alles ist in meinen Augen unbestritten Premium und kein Durchschnitt.
In Kürze: Die Handlung
Sie basiert auf dem 5. Roman der Buchserie „Das fünfte Zeichen (The Devil’s Star) aus dem Jahr 2003. Wer die Bücher nicht kennt… Fangt einfach mit dem „Fledermausmann“ an und ihr werdet nicht mehr wegkommen 🙂
Ein Highlight – und mit Sicherheit auch mein Entscheidungsgrund, der Serie nach meiner üblichen „ich schau mal rein“-Zeit wohlwollend die Lebenszeit zu opfern: Tobias Santelmann. Ich musste die ganze Zeit an einen jungen Daniel Craig denken mit der Kaputtheit eines alten Daniel Craig. Er spielt Hole brilliant. Mehr kann man das, was er zeigt nicht würdigen. Ich hatte immer einen noch älteren, weniger drahtigen Hole beim Lesen vor Augen. Aber nach dem zweiten und dritten und vierten Zusammenbruch der Figur in der Serie muss man der Leistung einfach Respekt zollen.
Oslo ist Oslo – da braucht man ausser dem einen oder anderen Farbfilter eigentlich kaum was machen. Eine tolle Stadt – wenn auch hier in der Serie mit etwas wenig Screentime finde ich.
Nichtsdestotrotz startet man gleich in der ersten Folge mit einem Banküberfall der so dramatisch und am Ende drastisch inszeniert wird, das man erstmal denkt: „Wow, so habe ich so was in einer Fernsehserie auch noch nicht gesehen!“
Die erste Staffel umfasst 9 Folgen und bis auf den einen oder anderen kurzen Hänger finde ich alle Folgen durch die Bank weg super.
Harry Hole ermittelt gegen einen Serienmörder, korrupte Kollegen, innere Dämonen und begegnet auf seinen Wegen durch Oslo so manchem gruseligen Nachbarn oder Mitmenschen.
Um mir kostbare Zeit zu sparen, habe ich mir die 9 Folgen mal von tschättschipitie zusammenfassen lassen… ich musste allerdings ein paar Sachen ergänzen… bei der komplexen Handlung hat auch eine KI Probleme, das wichtigste heraus zu picken.
Folge 1: 36 Sekunden
Fünf Jahre nach einem traumatischen Vorfall kämpft Harry gegen den Alkohol und seinen korrupten Rivalen Tom Waaler. Als eine Frau in ihrer Dusche ermordet wird und ein Finger fehlt, wird Harry trotz seiner Suspendierung in den Fall hineingezogen. Am Ende stirbt seine Partnerin Ellen und Harry greift wieder zur Flasche.
Folge 2: Geister
Oslo wird von weiteren rätselhaften Morden erschüttert, während Harry den Tod von Ellen Gjelsten verarbeitet. Er vermutet eine tiefere Verschwörung innerhalb der Polizei und glaubt, dass Waaler hinter dem Chaos steckt.
Folge 3: Um die Stimmen zum Schweigen zu bringen
Harry wird offiziell einem neuen Team zugeteilt, um seine riskanten Alleingänge zu kontrollieren. Er entdeckt ein bizarres Muster: Unter den Augenlidern der Opfer befinden sich kleine rote Diamanten in Form eines Pentagramms.
Folge 4: Nach dem Tod, bevor sie kalt sind
Ein verstörendes Paket bei der Polizei erhöht den Druck, den „Teufelsstern“-Killer zu stoppen. Harrys Expertise ist gefragt, doch seine persönlichen Dämonen und die Spannungen mit Waaler gefährden den Fortschritt der Ermittlungen.
Folge 5: Der Teufelsstern
Die Beweise verdichten sich zu einem Profil eines Serienmörders, während Waaler im Untergrund einen Bandenkrieg schürt. Harry versucht verzweifelt, seine Beziehung zu Rakel zu retten und gleichzeitig die rituellen Morde aufzuklären.
Folge 6: Fünf
Harry sucht vergeblich nach einer logischen Verbindung zwischen den Tatorten, Opfern und dem Symbolismus der Zahl Fünf. Die Hitzewelle in Oslo verstärkt die paranoide Stimmung, als klar wird, dass der Killer noch nicht fertig ist.
Folge 7: Spuren im Staub
Die Schlinge um den Killer zieht sich zu, als Harry eine Spur zu einem Fahrradkurier verfolgt. Parallel dazu sammelt Harry riskante Beweise gegen Waaler, den er als den Drahtzieher eines illegalen Waffenhandels identifiziert.
Folge 8: In den Abgrund
Ein entscheidender Fehler führt dazu, dass Harrys engstes Umfeld in Lebensgefahr gerät. In einem verzweifelten Katz-und-Maus-Spiel muss er sich zwischen dem Gesetz und der Gerechtigkeit für seine Liebsten entscheiden.
Folge 9: Das Zeichen des Teufels
Im Finale stellt Harry den Killer und muss gleichzeitig Rakels Sohn Oleg aus den Fängen des wahnsinnig gewordenen Waaler befreien. Der Showdown in einem Aufzug endet blutig, führt zur Zerschlagung von Waalers Netzwerk und Harrys Abschied vom Dienst.
Da Tom Waaler auch in früheren Büchern schon eine Rolle spielt, musste dessen Rolle schon ein bisschen mehr mit dem Holzhammer in die Hirnrinde der Zuschauer geschlagen werden. Das wirkt ab und an etwas zu sehr nach „Bösewicht! Ich bin ein Bösewicht!!!!“ aber naja, der Schauspieler Joel Kinnaman spielt auch hier meisterlich zwischen Besessen und Irre. Inklusive einigen blutigen Aussetzern.
Der Soundtrack selbst ist auch ein Selbstläufer. Nick Cave und Warren Ellis, die ich schon seit „The Road“ (auch eines meiner Lieblingsbücher) oder „Wind River“ verehre, haben auch hier wieder einen düsteren und melancholischen Klangteppich über das eh schon dunkle Setting geworfen und der Sampler der ganzen Songs schenkt einem viele, viele Stunden gute Musik.
Hier noch der Titelsong und damit beende ich auch meine Lobeshymne an die kurzweilige und spannende Serie „Detective Harry Hole“.

