Urlaubsunfähig.

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Was macht  man verkehrt? Was stimmt mit einem nicht oder läuft in den Windungen des Gehirns schief, wenn jemand unfähig ist, einfach mal abzuschalten? Ist es ein gesellschaftliches Problem. Ist das Gefühl immer beschäftigt sein zu müssen so allgegenwärtig, das wir es nicht mal für ein paar Tage in den Schrank zu den Gespenstern des Alltags stecken können?

Gerade mache ich Urlaub. Urlaub mit meiner Familie. Urlaub vom Beruf, von der Baustelle, den Lieben und Unlieben zuhause. Einfach mal raus – sagt man ja so schön. Doch so einfach ist das nicht. Zumindest nicht in meinem Kopf.

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Es vergeht doch tatsächlich nicht ein Tag, an dem wir uns nicht in die Haare kriegen. Die Planerei macht mir zu schaffen, obwohl ich doch froh bin, das ich eine so gute Planerin geheiratet habe. Die Nörgelei meines Kindes nervt mich bis ins Mark, obwohl ich doch froh bin, so ein liebes und wundervolles Kind zu haben. Ich bin in jeder Minute unzufrieden mit mir, hasse meine Unfähigkeit spontan zu sein, hasse meine Angst vor Neuen und Neuem. Der Tag ist solange gut, bis einer meiner Entwürfe vom Gleis springt. Dann ziehe ich die Notbremse und bin ein grummeliger, stinkender Sack Hass. In diesem Moment kollidieren die Liebe zu meiner Familie und der Unmut gegen alles und jeden auf der Welt. Kleine Kernschmelze. Am liebsten würde ich dann in einem Loch verschwinden und mich nach 10 Minuten wieder zurück auf dem Gleis präsentieren. Doch meist eskaliert es wenigstens etwas. Und so bleibt mir dann das Trotzgesicht, der gesenkte Kopf und der steife Gang des Grummelsacks. Ich schweige erstmal. Das lässt mir Zeit zum sinnieren und überdenken.

Doch eigentlich ist das ganz großer Bockmist. Ich bin einfach nicht in der Lage, für anderthalb Wochen im Jahr abzuschalten. Wie auch? Wir sind seit anderthalb Jahren auf 190. Laufen oft so weit über dem Limit, das es (zumindest bei mir) schon gesundheitlich Konsequenzen gibt. Wer weiß wie lang das noch gehen kann. Und dann soll man von Heute auf Morgen auf die Bremse treten und 5 Gänge zurück schalten? Wie soll das gehen?

Mein Chef riet mir, mich mal richtig auszuruhen. Unsere Kumpels raten uns “mal abzuschalten”. Jeder ist sich also sicher, das ich eine Duracell im Rücken habe und wie die fröhlichen Häschen nach dem Urlaub wieder aufgeladen bin. Doch das wird wohl nicht passieren. Ich werde ein nervliches Wrack sein, das froh ist, wieder heim in den Alltag zu rutschen. Doch das ist nicht schlimm. Ich genieße ja die Zeit mit meinen Lieben in vollen Zügen. Frühstück zusammen, Unternehmungen zusammen, schwimmen, radeln, laufen, shoppen, staunen, lesen, spielen oder auch einfach mal fernsehen. Urlaub heißt für mich auch, einfach mal nichts zu machen. Schade das man die “Zusammenzeit” aber auch mit so viel wie möglich Aktivität füllen will, wie man kann.

Es wird schon klappen. Ich habe heute nur zwei Zigaretten geraucht. Das sind einige Hundert Prozent weniger als an einem normalen Tag. Gut gemacht. Und jetzt habe ich sogar Zeit für diesen Blog gefunden. Was will ich mehr? … na vielleicht die dritte auf dem Balkon rauchen… ich geh dann mal.

man liest sich ...
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