Warum ich Trump nicht mögen muss

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In den letzten Wochen ist in Amerika gewählt worden. Es wurde Wahlkampf betrieben in der üblichen, schmissigen, kostenintensiven und bums-tätarätäää-ufftata-Attitüde-behafteten amerikanischen Art. Alles überschattet vom Aufstand eines großen Teils der Bevölkerung und zudem eingelullt von COVID19.

Die Pandemieeinschränkungen hatten neben den Ausschreitungen und Protesten einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Wahlentscheidung des eh schon drangsalierten und abgehängten Amerikas. Denn im Laufe des Jahres wurden zwei Dinge klar: Die amtierende Regierung konnte mit reißerischen Agendas und Versprechungen weder das Gesundheitssystem auf die Katastrophe einstellen, die Corona nun mal ist. Noch konnte man nach den feigen Morden – und nicht anders sind die Verbrechen der schuldigen Polizisten zu betiteln – eine Lösung finden, die Kluft zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiss nicht noch weiter aufreißen zu lassen.

Es war nun offensichtlich, das die letzten vier Jahre Regierungstätigkeit eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten und Fehlentscheidungen waren. Im Alleingang hatte ein Mann sprichwörtlich „mit dem Arsch eingerissen“ was andere vor ihm mühsam aufgebaut hatten. Doch wer bisher die Eitelkeiten Donald Trumps und seine egomanischen Ausbrüche nur nebenher beschmunzelt und bei Entscheidungen, wie dem Bau der „Great Wall“ oder dem Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen nur erstaunt mit dem Kopf geschüttelt hat, der wurde in den letzten Wochen Zeuge einer gefährlichen Entwicklung.

Nach dem ersten, geben wir es zu, erwartbar peinlichen und lauten TV-Duell konnte man nur denken „so sind die Amis nun mal!“ Dann kam COVID19 direkt zum Präsidenten und es wurde kurz gemunkelt, damit kann er vielleicht das Blatt zu seinen Gunsten wenden. Das zweite „DUELL“ konnte ich auch nicht am Stück sehen – zu sehr nervt der Zirkus und das Boulevardhafte an einer Veranstaltung, die den nächsten Präsidenten der vereinigten Staaten von Amerika etablieren soll. Da fragt man sich, warum stellen sich die Wähler nicht einfach die beiden Lebensläufe nebeneinander und wägen ab. Warum bewerten die Amerikaner nicht das PRO und CONTRA? Ganz einfach: Weil es Amerikaner sind. Und die Emotionen, der Kampf der Giganten, die sich einschaltenden Celebrities… schlichtweg das TAMM-TAMM gehört dazu.

Und mittendrin einer, der es eben eher versteht LAUT zu sein, als besonnen Entscheidungen zu überdenken. Aber auch einer, dem bereits 200 Tage nach seinem Amtseintritt im Januar 2017 eine traurige Zahl von über 1.000 Falschaussagen und Lügen vorgeworfen wurde. Und da ist der Wahlkampf 2016 nicht mal eingerechnet.

Das alles habe ich in den letzten Wochen mal mehr, mal weniger verfolgt und mit Staunen beobachtet. Aber so richtig berührt oder angegangen hat mich die Diskussion um den neuen Machthaber bisher nicht wirklich. Zu wenig kenne ich Biden, zu viel habe ich von Trump gehört.

Warum schreibe ich also diesen Artikel, dessen Inhalt mich innerlich belastet und ich einfach meine Gedanken loswerden will? Nun, ich bin gerne mal in den sozialen Medien unterwegs und poste ab und an auch mal was. Eine Karikatur hat mich hingerissen, ein kurzes, persönliches Statement über den (zum jetzigen Zeitpunkt immer noch ausstehenden) Wahlausgang der Präsidentschaftswahl zu posten. Keine großen Worte, einfach nur, das ich es gut finde, wenn Trump künftig vielleicht nicht mehr als mächtigster Mann der Welt im weißen Haus sitzt.

Ein paar Likes und Daumen nach oben später kam dann aber die Antwort eines Bekannten und weiter entfernt auch Freundes bei Instagram. Und ich wollte mich eigentlich gar nicht erst auf eine Diskussion bei Instagram einlassen. Überhaupt sollte die Menschheit nicht in Kommentarspalten Grabenkämpfe austragen – aber das gehört jetzt nicht hier her.

Und in Anbetracht dessen, das ich mich mit Thomas im realen Leben ganz gut verstehe, will ich hier auch nicht persönlich auf seine Aussage reagieren sondern nur ein paar Gedanken dazu aufschreiben. Vielleicht macht ihr Euch auch Eure Gedanken, ob die Wahl rechtens ist oder nicht. Hier erstmal die Antwort auf mein kurzes Statement:

„Na mein lieber.. dann hast du aber die letzten Jahre die falschen Berichterstattung gesehen… man muss Trump nicht mögen . Tu ich auch nicht… Aber die Fakten von dem was er die letzten Jahre geleistet hat und wie viele ihn nur auf ein paar dumme Aussagen reduzieren zeigt nun doch wie sehr die Medien manipuliert wurden.. du weißt schon das er der 1. Präsident ist unter dessen Führung kein neuer Krieg angefangen wurde? Im Gegenteil das er Soldaten abgezogen hat? Das er gegen Kinderficker vorgegangen ist? Das er die Sonderzahlung für Soldaten Rückkehrer verdoppelt hat?
Das die Arbeitslosenquote sich extrem verbessert hat insbesondere auch für die farbige Bevölkerung?
Ich könnte noch ganz viel aufzählen.. warum wohl haben ihn soviel Farbige gewählt?!allerdings ist es immer interessant was jene aufzählen die ihn nicht mögen… Mauer zu Mexiko? Sicher kein Prunkstück…

Wieviel tonnen weniger Drogen und illegale Einwanderer?
Man kann immer die Rosinen rausrücken..  aber manchmal würde ich mir wünschen das Menschen mit Meinungen auch ihrer meinung mit fundierten wissen untermauern können…
Nichts für ungut hoffe sonst geht es dir gut ?“

Ja, mir geht es soweit ganz gut. Auch weil ich nicht, wie so viele andere Menschen von Corona im gesundheitlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang betroffen bin. Nicht so gut geht es mir, wenn ich mich in der Welt umschaue und die vielen verschiedenen und teils auch kruden Ansichten meiner Mitmenschen höre und lese.

Von dem, was Trump versprochen hat ist er nämlich heute in meinen Augen weiter entfernt als zum Antritt seiner Amtszeit. „Make Amerika great again!“ Nein, mein Lieber, das hast du nicht geschafft! Er schreibt sich zu, die „Beste Wirtschaft der Geschichte“ erreicht zu haben. Nun ja, mit Zahlen die nicht seiner Realität entsprechen hat es der Immobilienmogul Trump nicht so.
Das Wachstum der Wirtschaft ist nur ganz knapp über dem, was Obama erreicht hat. Er hat weniger neue Stellen geschaffen und die Staatsschulden eher noch in die Höhe getrieben. Nur der Innovation der Unternehmen und der Arbeitskraft seiner Bürger ist es zu Verdanken, das Trump die Karre nicht in den Mist gefahren hat.
Seine Steuersenkung hatte nicht den Effekt, den er versprochen hatte und was an Zuwendungen floss… naja, ich zitiere mal den unten stehenden Artikel aus der Wirtschaftswoche: „Die Unternehmen steckten die zusätzlichen Profite in Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe, nicht in Produkt- oder Verfahrensinvestitionen; die reichsten zehn Prozent der Amerikaner profitierten am meisten davon, aber sie sparten das Geld und kurbelten den Konsum kaum an.“

https://www.wiwo.de/politik/ausland/donald-trumps-wirtschaftsbilanz-die-beste-wirtschaft-der-geschichte/26576186.html

Das ist es was Trump macht: Er kurbelt die an, die es nicht nötig hatten und schaut auf die herunter, die eh schon am Boden liegen. Um es mal ganz theatralisch zu umschreiben.

Strafzölle, Freihandelsbeschränkungen, Kündigung von Verträgen oder Vereinbarungen und ausgesprochene Drohungen sind das, was von seinem politischen Handeln jetzt übrigbleibt und aufgeräumt werden muss. Er hat in meinen Augen oft ein respektloses, vulgäres und ja, anmaßendes Verhalten fast allen Menschen gegenüber an den Tag gelegt. Wer nicht seine Meinung vertrat wurde kurzerhand entlassen. Und das bis heute: Selbst im Angesicht der Wahlniederlage feuert er noch die, die ihm widersprechen.

Wir können gar nicht einschätzen, wie schlecht es den Menschen in Amerika mit dem dortigen Gesundheitssystem geht. Das Trump Obamacare abgesägt hat, gehört zu den schlimmsten Dingen für die er sich verantworten müsste. Aber die Menschen, mit denen sich der noch amtierende Präsident am liebsten umgibt sind auch nicht die Leidtragenden dieser Mißstände. Sie sind weder betroffen von Armut noch von fehlenden Medikamenten oder nicht bezahlbaren Behandlungen. Sie sind die Oberschicht.

Trumps „Mauer“ hat nicht nur Familien und Handelsabkommen kaputt gemacht. Sie ist auch ein Sinnbild für die Sichtweise dieses Mannes: „Ich schotte mich ab und schaue nicht über den Tellerrand. Ausser es bringt mir Vorteile.“
Und der Kampf gegen Drogen wird immer noch geführt – hier gibt es kaum Zahlen die einen Rückgang aufzeigen.

Das er (noch) keinen Krieg angezettelt hat, liegt wohl eher an den Entscheidungen der anderen Staatsoberhäupter dieser Welt. Mit Glück haben diese vielleicht oft nur über das Maß an Überheblichkeit gestaunt ohne ernsthaft in Rage zu geraten. Wie oft in den letzten Jahren haben wir gebangt, das bitte, bitte keiner auf den roten Knopf drückt, wie man so schön sagt. Wenn er auch jetzt der einzige ist, unter dessen Amtszeit kein Krieg angefangen wurde (mit oder durch Amerika), so ist er vielleicht am Ende noch der, der einen Bürgerkrieg im eigenen Land heraufbeschworen hat. Gott bewahre, das es so weit kommt.

Das eine Reihe von Anklagen auf Donald Trump warten und Forderungen finanzieller Natur, das steht momentan auch auf ganz, ganz kleinen Blättern. Doch die Rückendeckung des Postens im weißen Haus hat er nächstes Jahr nicht mehr und die Zukunft sieht gar nicht so rosig aus. Das erklärt für mich das Verhalten, welches momentan gezeigt wird.

Die Summe seiner Aussagen und Ausbrüche, der Fehltritte und Fehlentscheidungen ist so groß, das ständig neue Bücher damit gefüllt werden. Zahllose Publikationen, die sein Schaffen und sein Erbe im weißen Haus beschreiben, werden in den nächsten Jahren auf den Markt schwämmen. Denn eines kann man dem POTUS nicht vorwerfen: das es langweilig mit ihm war. Doch Unterhaltung ist, by the way, nicht die vorangige Aufgabe des Anführers der freien Welt.

Barack Obama mal ausgenommen.

Ob Joe Biden das Ruder in vier Jahren rumreissen kann? Unwahrscheinlich. Ob er die Menschen einen kann? Wünschenswert. Ist er zu Alt für das Amt? In meinen Augen ja. Aber kann er auf viel größere Erfahrung zurückgreifen? Ja, kann er. Und wer sich mit dem Leben und dem ganzen Menschen Biden auseinandersetzt, ist er wirklich der richtige Mann an dieser Stelle. Er hat von Barack Obama die Medall of Freedom verliehen bekommen. War ganze 36 Jahre Senator, Vorsitzender in Ausschüssen, einer der erfahrendsten Aussenpolitiker, hat seinen Sohn verloren und ein sehr eigenes Verhältnis zum Gesundheitswesen und dem Umweltschutz und und und… ach lest selbst…

https://de.wikipedia.org/wiki/Joe_Biden

Und ja, er hat auch unpopuläre Entscheidungen getroffen und diese bereut. In so vielen Jahren politischer Karriere in teils so hoher Position wäre es vermessen zu sagen, man habe immer das richtige getan.

Wie auch immer Amerika diese zwei Monate noch durchstehen wird, es ist allen dort zu wünschen, das die Vernunft siegt. Das Trump zur Einsicht findet und Biden den Platz räumt. Und das Biden all das erreicht, was er sich jetzt erhofft und den Wählern verspricht. Denn wenn es eines gibt, was die Welt nicht braucht, sind es wochenlange Rechtsstreite und ein stolpernder neuer Präsident. Ich denke Amerika kann und wird beweisen, das es trotz aller Defizite und Spaltung seine Grundwerte verteten wird.

man liest sich!
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